Während die einen ihre Niedlichkeit genießen, sehen andere sie als Schädlinge, die etwa Vogelnester ausräumen. Fakt ist: In Berlin breiten sich die Bären seit Jahren immer mehr aus.
Wer sie in einem Zoo oder im Tierpark sieht, der bewundert sie: das gemusterte Fell, die süßen Gesichter, die Händchen, mit denen sie ihre Nahrung bearbeiten. Doch Waschbären haben es faustdick hinter den Ohren! Während die einen ihre Niedlichkeit genießen, sehen andere sie als Schädlinge, die etwa Vogelnester ausräumen. Fakt ist: In Berlin breiten sich die Bären seit Jahren immer mehr aus.
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Es gibt wohl kaum einen Grundstücks- oder Gartenbesitzer, der nicht schon einmal mit ihnen in Berührung kam. Sie streifen durch Siedlungen und Laubenkolonien, gehen auf Futtersuche, räumen Mülltonnen aus. Und lange wird gestritten: Soll man Waschbären akzeptieren … oder sie fangen?
Für mich war zuerst kaum vorstellbar, dass die Bären eine „dunkle Seite“ haben. Ich komme aus Bad Schandau in der Sächsischen Schweiz, erinnere mich noch, dass es dort ein Waschbär-Gehege gab, das wir mit Kindergarten und Schulhort regelmäßig besuchten. Man erreichte es mit dem elektrischen Personenaufzug, ein Monument des Städtchens. Im Gehege befand sich ein Teich, an dem die Bären saßen, mit den Pfötchen ihr Futter wuschen.
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Doch so putzig sie sind: Die Bären richten auch Schaden an. Denn heimisch sind sie hier nicht – darauf weist auch der Jagdverband hin. Die Waschbären hätten gelernt, bedrohte Amphibien zu fressen und jagen auch an Gewässern bedrohte und andere Vogelarten und deren Eier. „Das ist ein Desaster für den Artenschutz – auch in Berlin“, heißt es. Der Verband will, dass die Bären mit Lebensfallen gefangen werden dürfen – doch das ist in Berlin verboten.
Der Senat setzt lieber auf Appelle an die Bürger. Berlin ist leider zu einem echten Schlaraffenland für die Bären geworden. Die Bären dürfen von Privatpersonen aber nicht gefüttert werden, so solle ihnen das Leben ungemütlich gemacht werden. Wer sich nicht wohlfühlt, vermehrt sich auch weniger.
Spannend finde ich persönlich die Geschichte, wie die Waschbären hierher gelangten. Man fragt sich: Wie kann es eine Art, die sich in Amerika heimisch fühlte, es nach Berlin schaffen? Des Rätsels Lösung: Pelzfarmen! Etwa zwei Dutzend der Tiere lebten in einem Gehege bei Strausberg, bei einem Bombenangriff im zweiten Weltkrieg entkamen sie im Jahr 1945. Eine Bären-Gruppe entstand allein durch zwei Tier-Paare, die 1934 in Hessen ausgesetzt wurde.
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Nur: Was jetzt? Soll man die Bären jagen – oder sie akzeptieren? Eigentlich ist Berlin ja nett zu seinen Bären, einer ziert sogar das Wappen der Stadt. Aber: Es ist auch gut, dass es Experten gibt, die solche Entwicklungen in der Natur genau beobachten. An ihre Ratschläge sollte man sich halten. Für alle, die Waschbären in der Nähe haben, gilt deshalb – so putzig sie auch sind: Bitte nicht füttern. Das ist bei Wildtieren eigentlich sowieso verboten.
Florian Thalmann schreibt jeden Mittwoch im KURIER über Tiere. Kontakt in die Redaktion: wirvonhier@berlinerverlag.com