Ralph Ristau – ohne Aufzug kommt der Rollstuhlfahrer nicht allein aus seiner Wohnung
Frankfurt – Ralph Ristau (61) hat gelernt, mit seiner eingeschränkten Beweglichkeit zu leben – er ist seit Jahren auf den Rollstuhl angewiesen. Aber seit drei Wochen ist er in seiner Wohnung im vierstöckigen Mehrfamilienhaus in der Hansaallee regelrecht „gefangen“.
Der Aufzug: außer Betrieb, technischer Defekt. Versorgt wird der selbstständige Finanzdienstleister seither von Familienmitgliedern. Die tägliche Post bringt ihm die Nachbarstochter.
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„Der Aufzugsmonteur hat mir am Telefon erklärt, dass ein für die Sicherheit wichtiges Steuerungsteil kaputt ist. Dieses Ersatzteil hat die Firma offenbar nicht auf Lager und es lässt sich wohl nur sehr schwer auftreiben“, zeigt Ristau gewisses Verständnis für das Dilemma.
Kein Verständnis haben er und seine Nachbarn hingegen für die Informationspolitik des Vermieters, der städtischen ABG Holding. An den Fahrstuhltüren klebt kein Info-Zettel, der auf Defekt oder Reparatur hindeutet. Und ein Hinweis, wie lange die Reparatur dauern könnte, fehlt ebenfalls.
Der Aufzug: außer Betrieb, technischer Defekt
Kein Wunder, dass Ristau und grummelnde Nachbarn über Mietminderung „nachdenken“. Den vom Vermieter angebotenen Trage-Service hat er bisher nicht in Anspruch genommen. „Das ist ja doch etwas umständlich. Und ich muss nicht ins Büro, kann gut von zu Hause aus arbeiten“, sagt Ristau.
„Ohne dieses Ersatzteil geht wohl nichts. Ich fürchte, die Mieter sind in diesem Fall Opfer der globalen Lieferketten-Engpässe“, sagt ABG-Chef Frank Junker, „aber wir bieten für Härtefällen einen Trageservice an.“